Alpencross AX 10 – 2017 – Von Mittenwald nach Riva del Garda

Alpencross AX 10 – 2017

Von Mittenwald nach Riva del Garda

Ein Bericht von Wilfried Prange, einem Ersttäter in Sachen Alpenüberquerung.

Mit dabei waren Günther Haas, Bernd Schuster und Thomas Tremmel

Es war unsere erste Alpenüberquerung, ein heimliches Ziel eines jeden Radlers. Nach einer Spontanentscheidung im November 2016 gings dann für mich im März 2017 mit meinem 12 wöchigen Trainingsplan los. Anfänglich war`s leicht, zum Schluss war ich doch dann froh, dass es los ging. Letztendlich waren 134 Stunden abtrainiert.

Tag 1: Mittenwald – Imst

Bei etwas kühleren Temperaturen starten wir durch das Leutscher Tal zur Ehrwalder Alm. Nach der ersten Abfahrt geht’s weiter Richtung Fernpaß. Sehr schön war die Passage zum Schloss Fernstein. Ab hier begann es leider zu regnen und wir kamen klatschnaß in Imst an.

Tag 2: Imst – Pfunds

Morgens, Gott sei Dank – alle Klamotten trocken, die Schuhe auch. (eine Rolle Klopapier in jedem Schuh saugt die Feuchtigkeit schon raus). Im nach hinein betrachtet, für mich der härteste Tag. Der lange Anstieg auf die Venetalm; zuerst Teerstraße, dann Schotterweg und oben am Hochplateau angekommen,…..alles voller Wolken – nix mit Blick auf die Zugspitze. Das machte die Anstrengung nicht wett. Danach eine kurze Schotterwegabfahrt und wieder ein langer Anstieg zur Piller Höhe, und….Nieselregen. Heute wird’s wohl nicht mehr aufreißen. Okay, also runter nach Pfunds. Wobei wir im Tal noch mal in ein Gewitter kamen und der feine Sand auf dem Waldweg uns die Bremsklötze runterzog.

Tag 3: Pfunds – Prad

Nach leichtem Einrollen fahren wir über die Kajetansbrücke in die Schweiz; in Sur En geht`s in`s Uina-Tal. Bei sommerlichen Temperaturen führt die Strecke auf Waldwegen teils recht steil zur Alpe Uina Dadaint. Und da war sie, die Galerie im Bergmassiv zu sehen. Oahh.. impossant. Die Wirtin Susanne, eine Aussteigerin aus Deutschland, servierte uns köstliches Birnenbrot mit hausgemachter Butter. Nach einer kurzen Auffahrt über Wurzeln und Felsen ging`s mit Schieben los. Die Landschaft ist dermaßen spektakulär, daß wir die Anstrengung überhaupt nicht bemerken. Über uns Felsen, unter uns der rauschende Bach. Die Uina-Schlucht mit der teils ausgesetzten Felsröhre ist einfach nur gigantisch. Oben angekommen machen wir dann auf einer Blumenwiese mit Murmelkontakt Rast. So easy. Danach geht`s weiter auf einem Schotterweg ins Tal, ins Vintschgau nach Prad.

Tag 4: Prad – St. Walburg

Ein herrlicher Sommermorgen und dann die ersten 20 Kilometer talabwärts durch die Apfelplantagen nach Naturns, ein einfacher Einstieg in den Tag. Dann geht`s hoch zur Naturnser Alm; lang, fast schon unendlich lang dauert das, bis jeder mit seinem Tempo oben ist. Jetzt gibt es erstmal ein alkoholfreies Weizen ( wegen der Elektrolyte), Hüttenmakkeroni wegen der Kohlenhydrate und noch 1 Stück Buchweizentorte wegen dem schnell verwertbaren Zucker. Ein Hochgenuß! Sehr zu empfehlen. Ab hier fahren wir über Wurzeltrails hoch zum Vigiljoch. Hier bewundern wir die Talebene von Meran, die Texelgruppe und die Westflanke der Dolomiten. Im Hintergrund sind der Schlern, die Geisslerspitzen und die 3 Zinnen zu erkennen. Danach schieben wir auf einem stark verwurzelten Wanderpfad nach unten; bis wir auf die Straße ins Ultental treffen. Bei einer kurzen Rast in einem Straßenkaffee überrascht uns ein Berggewitter; gut dass wir nicht weitergefahren sind. Nach einer halben Stunde abwarten ging`s dann weiter nach St. Walburg; wieder waren alle naß vom Spritzwasser der Straße – aber kein Problem…es war warm.

Tag 5: St. Walburg – Dimaro

Morgens radeln wir am linken Seeufer des Zogler Stusees in Richtung St. Getraut, wo wir dann in die Straße zum Rabbijoch abbiegen. Bis zu den ersten Almen war wieder mal der kleinste Gang gefragt, danach war für 2 Stunden schieben angesagt. Endlich kommen wir am Dach der Tour, dem Rabbijoch auf 2460Hm und 3 Minuten später am Rabbijochhaus an. Eine herrliche Aussicht und eine Gerstelsuppe sind die Belohnung für die ertragenen Strapazen und die Vorfreude auf den beeindruckensten Singletrail im Alpenraum steigt. Eine Stunde nur nach unten – so geil! Den vergisst man nicht. Weiter runter geht`s dann ins Val di Sole über Male nach Dimaro ins Rafting Camp zum Übernachten.

Tag 6: Dimaro – Riva del Garda.

Guten Morgen. Warme Sonne und gut gefrühstückt wollen wir starten, doch…. Platte an Günthers Hinterrad; also flicken. Leider hat er den Kleber nicht lang genug trocknen lassen,….Luft bläst,…das Ganze noch einmal. So kommen wir erst gegen 9.45 Uhr weg. Wir folgen nur kurz der Teerstraße um in einen Weg Richtung Madonna di Campiglio zu gelangen. Doch oh weh! Die ersten Rampen auf dem Weg zwingen uns immer wieder ins kleinste Ritzel zu schalten. Der Weg ist sehr wellig, die Natur  jedoch ist absolut gigantisch. Leider ist es nun schon 13.15 Uhr und wir haben gerade mal 20 Kilometer von den geplante 80 Kilometern hinter uns; also Gas geben und der Mittag begrenzt sich auf unsere mitgebrachten Riegel. Unter der Gondel hat Thomas nach ein bisschen Übermut noch einen SNAKE BIT. Dann heißt es Abfahren nach Tione, vorbei an den „ Dolomiti de Brenta“, einem herrlichen Bergmassiv geht’s 1 Stunde lang nur runter. Dann kam eine lange „Süd-Gegenwindstrecke“ bei 36“C heißen Gegenwind auf einer vielbefahrenen Straße. Hilft nix, da müssen wir durch…..bis nach Zuclo. Beim Abzweig in den Paß DURON gibt`s noch eine letzte Rast am Ortsbrunnen. Hier hat sich Thomas wohl den Magen verdorben. Nach dem Pass kommt noch der kleinere Paß Baltissimo und wir freuen uns, daß wir den Lago bald sehen. Aber das dauert doch noch eine Stunde, bis wir endlich ins Tal abfahren können. Die Tour führt uns nochmal weg von der Straße in das Örtchen Tarino, wo wir durch halb verfallenen Gehöfte kommen, einfach nur schön. So und jetzt, endlich gibt es ein Bild am Ortseingang von RIVA…SUPER…Geschafft…Nach kurzem Check in gibt’s erst mal 2 Huber Weizen und eine Vorspeisenplatte für alle, um dann an der Plaza ein köstliches Menü zu geniesen. Am Freitag war dann bummeln und rumhängen am Gardasee angesagt. Um 18 Uhr wurden wir dann nach einem letzten kurzen, heftigen Gewitterschauer von unserem eigens angereisten Abholteam heimgebracht.

Hoffentlich klappt`s beim nächsten Mal wieder so gut.

AX 10 bedeutet:

A = Alpen

X = viele Überquerungen

10 = mehr als 10.000 Höhenmeter

Wir waren 434 Kilometer unterwegs, haben dabei 10634 Höhenmeter erklommen und sind 34 Stunden im Sattel gesessen ( incl. Schiebezeiten!!!)